Moin VfB-Fans,
hiermit möchten wir euch über die Vorkommnisse und die daraus resultierenden Entscheidungen am vergangenen Dienstag beim Auswärtsspiel gegen den VfB Lübeck informieren.
Trotz der wieder einmal bodenlosen Terminierung machten sich circa 250 Blau-Weiße auf den Weg. Was zeigt, wie motiviert alle durch den soliden Saisonstart waren.
Dort angekommen, gab es den ersten Aufreger: Willkürlich und ohne Begründung wurde die Mitnahme von Spanngurten untersagt, die essentiell für den Aufbau der Trommeln und Fahnen im Block sind. Nach reichlich Diskussion kamen diese dann doch mit in den Block. Beim Aufbau dann ein weiteres Eingreifen des Ordnungsdienstes. Die große VfB-Oldenburg-Fahne, die seit Jahren bei Spielen in Lübeck über dem Block hing, sollte auf Anweisung der Lübecker Geschäftsführung nicht aufgehängt werden dürfen. Von Todesfelde nach Lohne, von Jeddeloh bis Assel: Überall überhängt man für 90 Minuten Werbebanden. Selbst bei unseren Heimspielen am Marschweg ist das im Heim und Gästeblock nicht anders.
Dass Werbung sichtbar sein soll, verstehen wir grundsätzlich. Gleichzeitig hängen Zaunfahnen in Gästeblöcken regelmäßig über Werbeflächen. Hier stellen wir uns die Frage, wieso in einer Liga, in der Gästeanhang schon rar ist und Gästeblöcke selten geöffnet werden, die Befindlichkeiten einzelner Sponsoren in Bezug auf eine Bande, die an allen anderen Tagen des Jahres frei einsehbar ist, höher wiegen als das Ausleben einer bunten, kreativen und freien Fankultur. Dass der Verband sich nicht um die Belange und Interessen der Fans schert, ist uns allen längst klar. Wieso auch Vereine diese Entwicklung mitgehen, ist uns nicht begreiflich.
Für uns steht nicht zur Debatte, unsere Fahne, die bereits an ihrem angestammten Platz hing, wegzuhängen und somit an Sichtbarkeit zu verlieren. Der Verein nahm diese Situation zum Anlass, die vor dem Gästeeingang wartenden 100 VfB-Fans als Druckmittel zu verwenden, und verhängte einen Einlassstopp und schloss den Gästeeingang.
Daraufhin machte sich eine behelmte und vermummte Hundertschaft auf den Weg in Richtung Gästeblock. Eine sachliche Diskussion mit dem Ordnungsdienst blieb aus, da es lediglich hieß: „Fahne runter, sonst eskaliert es hier gleich.“
Die VfB Oldenburg-Fahne ist ein Teil unserer Fankultur und damit auch Bestandteil unseres optischen Supports der Mannschaft. Das Verbot war demnach für uns nicht unkommentiert hinnehmbar.
Für uns war an diesem Abend eine rote Linie erreicht. Und genau als solche muss sie auch behandelt werden. Eine rote Linie hat nur dann eine Bedeutung, wenn sie auch Konsequenzen hat, sobald sie überschritten wird. Wenn wir nach einem solchen Vorfall einfach zum normalen Support übergehen würden, würden wir damit letztlich signalisieren, dass diese Grenze doch verhandelbar ist.
Nachdem wir verschiedene Optionen besprochen hatten, stand für uns fest, den Support an diesem Tag einzustellen. Auch ein Verlassen des Gästeblocks stand zur Debatte, wogegen wir uns letztendlich entschieden, um der Mannschaft und der restlichen Fanszene trotzdem beizustehen.
Dabei ist es uns wichtig zu betonen, dass uns diese Entscheidung selbst am meisten schmerzt. Der Support unseres Vereins ist der Existenzgrund unserer Gruppe. Wir fahren nicht zu Auswärtsspielen, um schweigend im Block zu stehen. Wir investieren viel Herzblut, Geld und unzählige Stunden in die Entwicklung von Choreografien, Fahnen, Gesängen und all dem, was unsere Mannschaft und unseren Verein unterstützt. Genau deshalb war der Verzicht auf den Support für uns kein einfacher oder naheliegender Schritt, sondern das genaue Gegenteil. Besonders schmerzhaft ist dabei, dass wir damit die Mannschaft, die einen erfolgreichen Saisonstart hingelegt hat, nicht verdientermaßen unterstützen konnten. Natürlich wurden die Spieler über unsere Beweggründe informiert.
Gerade weil uns der Support so viel bedeutet, wollten wir mit seinem Ausbleiben deutlich machen, wie ernst wir die Situation nehmen. Wir verzichten bewusst auf das, was eigentlich der Kern unserer Gruppe ist, weil wir nicht bereit sind, eine Grenze erst zu benennen und anschließend selbst zu ignorieren.
Zudem können wir jeden verstehen, der sich in einer solchen Situation spontan entschließt, den Verein trotzdem anzufeuern. Dem standen wir nicht im Weg. Wir möchten uns an dieser Stelle aber auch bei all jenen Gruppen und VfB-Fans bedanken, die diese Entscheidung mitgetragen haben.
Wir verstehen den Unmut darüber, dass der Support ausblieb. Aber unsere Fankultur funktioniert nicht nach dem Prinzip: „Macht mal.“ Wir sind nicht Tag für Tag da, um den Ansprüchen aller Fans Folge zu leisten, sondern priorisieren die Werte und Prinzipien unserer Fankultur.
Wir fordern einen respektvollen Umgang mit Fans und eine offene, lebendige und bunte Fankultur.
Wir bleiben bei unseren Prinzipien. Denn diese Woche ist es „nur“ eine Zaunfahne, nächste Woche vielleicht weiteres Material und irgendwann geben wir Stück für Stück die Freiheiten auf, die unsere Fankultur ausmachen – weil irgendwelche Sponsoren, Sicherheitskräfte oder Funktionäre meinen, darüber bestimmen zu können.
Wir werden nicht zulassen, dass aus kleinen Einschränkungen irgendwann Normalität wird. Wir werden unsere Grenzen klar benennen und, so sehr es uns auch schmerzt, jederzeit wieder die notwendigen Konsequenzen ziehen, wenn diese überschritten werden.
Succade Ultrà‘ im August 2026